Unser Fazit zur Hurtigruten-Reise 2018 mit der MS Polarlys

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Fazit zu unserer Hurtigruten Reise 2018 mit der MS Polarlys
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In den ersten beiden Teilen des Hurtigruten-Reiseberichts haben wir dir von unseren Erlebnissen auf der nordgehenden und südgehenden Route berichtet.

In diesem dritten Teil wollen wir nun ein Fazit ziehen. Was hat uns an der Hurtigruten-Tour gefallen oder beeindruckt, was weniger? Würden wir diese Reise nochmals antreten? Was solltest Du beachten, wenn Du eine Hurtigruten-Reise antreten willst?

Unser Eindruck der Hurtigruten-Reise – Was gefiel, was gefiel weniger?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Fahrt mit einem Hurtigruten-Schiff schon etwas Besonders ist, was Du selbst mit einer anderen Schiffslinie in dieser Art nicht erleben wirst. Im Zusammenhang mit Hurtigruten liest oder hört man oft Slogan Die schönste Schiffsreise der Welt. Dieser hat schon etwas Zauberhaftes, Anziehendes. Vielleicht ist dieser Mythos auch einer der Gründe für die mittlerweile rund 450.000 Passagiere pro Jahr, von denen gut 70% die Rundreise mitfahren. Die übrigen 30% entfallen demnach auf Personen, welche die Hurtigruten-Schiffe wie eine Art Bus von einem Hafen zum nächsten oder für kleinere Touren nutzen.

Das ist positiv aufgefallen bzw. hat gefallen

Zunächst möchten wir aber hervorheben, was uns auf unserer Reise Anfang Oktober 2018 auf der MS Polarlys gefallen hat. An dieser Stelle werden wir auf Norwegen als Land mit wunderschöner Natur und Kultur nicht weiter eingehen. Dass wir von Norwegen selbst eingefleischte Fans sind, ist Dir als Leser sicherlich bekannt J

An- und Abreiseorganisation 

Die An- und Abreiseorganisation hat wunderbar geklappt, da gibt es auf jeden Fall nichts zu meckern. Ein eigener Hurtigruten-Bus brachte uns bei der Ankunft und auch bei der späteren Abreise direkt vom Flughafen in Bergen zum Hurtigruten-Terminal (und später wieder zurück).

Aufenthalt (Verpflegung, Küchen- und Restaurantcrew)

Beim Aufenthalt auf dem Schiff möchten wir besonders das stets bemühte Team der Küchen- und Cafè-Crew hervorheben. Wie im ersten Teil des Reiseberichts bereits erwähnt, wurde etwa direkt eine Lösung für unser erstes verpasstes Mittagessen gefunden und auch die Essenszeit wurde unproblematisch geändert.

Das Engagement setzt sich auch bei der Speiseauswahl fort. Grundsätzlich bot die Hurtigruten-Reise kulinarisch einen spannenden Einblick in die norwegische Küche, da überwiegend regionale Speisen gereicht wurden. Das mag manchem Reisenden nicht „schmecken“, aber wer Schnitzel mit Pommes erwartet, sollte vielleicht lieber eine andere Schiffsreise in Betracht ziehen.

Das Frühstücks- und Mittagsbuffet bot aus unserer Sicht reichlich Auswahl für jeden Geschmack: Reichlich Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst und sonstige Beilagen. Da wir noch keine andere Schiffsreise oder Kreuzfahrt unternommen haben, haben wir keine Vorstellung von der Auswahl auf anderen Reisen. Für uns war die Auswahl jedoch mehr als ausreichend, soviel konnte man gar nicht essen.

Abwechslungsreiche Spezialitäten aus der norwegischen Küche an Bord der Hurtigruten

Abends gab es in der Regel ein festgelegtes Menü mit reservierten Plätzen. Wer bestimmte Speisen (beim Dinner) nicht essen wollte oder konnte, sei es aufgrund von Allergien oder Ernährungsweise (Vegetarier, Veganer), erhielt stets ein Alternativgericht. Manchmal gab es sogar noch eine Alternative für die Alternative. Und das Angebot wurde reichlich in Anspruch genommen. Die zuständige Restaurantmanagerin hatte jeden Tag einen mehrseitigen Block dabei, der immer gut gefüllt war mit Notizen. Jeden Abend schritt sie vorab die einzelnen Tische ab, bei denen bereits bekannt war, dass Alternativen verlangt wurden und stellte die einzelnen Alternativen zur Auswahl.

Positiv in Erinnerung blieb uns auch Curtis aus dem Bordcafé, welcher sich am letzten Tagen sogar persönlich per Handschlag verabschiedete.

Die Landausflüge

Die Organisation der Ausflüge war gut, alles hat reibungslos geklappt und war gut organisiert. Die Touristenführer stammten in unserem Fall ursprünglich sogar aus der Deutschland und lebten zwischen zwei und knapp vierzig Jahren in Norwegen.

Hinzuzufügen ist allerdings, dass wir mit der Nordkapp-Tour und Kirkenes-Tour auch nur an zwei Ausflügen teilgenommen haben. Der Grund dafür war, dass wir die meisten Ausflüge unterhalb Tromsøs in den vergangen Jahren selbst schon besucht haben (Storsteinen in Tromsø, Saltstraumen, Aksla Aussichtspunkt in Ålesund). Die Ausflüge zu wiederholen, war uns schlichtweg zu teuer (im Durchschnitt oft zwischen 120 bis 200 Euro pro Person)

Blick auf das Nordkap Plateau

Die Reise im Allgemeinen

Im Allgemeinen stand ein Trip mit einem Hurtigruten-Schiff für uns schon lange auf der Wunschliste, weil die Hurtigruten-Schiffe sehr stark mit Norwegen und seiner Infrastruktur verbunden sind. Andererseits wollten wir die norwegische Küste einmal von der Wasserseite her erleben. Und drittens bot eine Schiffsreise eine ruhige Art des Reisens mit entschleunigender Wirkung. Kein „Stress“ mit langen Autofahren oder Flügen. Wie Du in unserem Beitrag Anreise nach Norwegen nachlesen kannst und vielleicht aus eigener Erfahrung weißt, kommt man in Norwegen besonders mit dem PKW nicht sonderlich schnell voran.

Negative Punkte: Was gefiel weniger oder ist verbesserungswürdig

Neben vielen tollen Erfahrungen und Eindrücken gab es auch diverse Punkte, die uns leider nicht gefallen haben.

Aufenthalt (Organisation, Kabinen etc.)

Hinsichtlich der allgemeinen Organisation werden wir vieles gar nicht mitbekommen haben, da es im Hintergrund fernab der Passagiere läuft. Und so fallen all die stillen Helfer im Hintergrund, welchen ihren Job gut machen, (leider) nicht auf.

Der Empfangsbereich auf der MS Polarlys war während unseres Aufenthaltes allerdings manches Mal nicht sehr bemüht. Bei einer Mängelmitteilung am ersten Abend, dass der Haartrockner defekt sei, wirkte die zuständige Dame schon recht desinteressiert und genervt. Dies hatte dem vorigen positiven Eindruck der Restaurantcrew schon einen leichten Dämpfer verpasst. Ein Wartungstechniker hätte eigentlich zu unserer Kabinen kommen und den Haartrockner reparieren sollen. Bis zum Ende der Reise ist allerdings nie jemand erschienen. Zum Glück hatten wir einen eigenen im Gepäck gehabt. Darum haben wir nach der ersten Mängelmeldung auch nicht noch mal nachgefragt – Wir wollten nämlich schauen, ob bis zum Ende der Reise noch jemand auftaucht. Da dies nicht geschehen ist, vermerken wir es nun hier in unserem Fazit 😛

Hinsichtlich der Kabinen haben wir auch eher Pech gehabt. Unser eigenes Versäumnis war es, die Reise recht spät zu buchen. Dies hatte auch damit zu tun, dass die Entscheidung für die Hurtigruten-Reise erst recht spät fiel. Zwangsläufig waren die „besten“ Kabinen bei unserer Buchung schon ausgebucht, sodass wir uns auf Deck 3 im hinteren Teil einquartieren mussten.

Wenn Du hinsichtlich Deines Schlafverhaltenes empfindlich auf Geräusche reagierst, können wir Dir von einer Kabine in diesem Teil des Schiffs nur abraten. Die Vibrationen und die Lautstärke der Schiffsmotoren und der Seitenruder sind sehr laut. Wir sind, was das angeht nicht sehr empfindlich, empfanden es aber besonders an den ersten Tagen doch als sehr störend beim Einschlafen. Nachdem wir uns an den ersten Tagen daran gewöhnt hatten, ging es danach halbwegs. Wenn möglich, schau also, dass Du eine Kabine auf den oberen Decks buchst.

Buche außerdem möglichst auf der Steuerbord-Seite. Warum? Die Be- und Entladung erfolgt auf der Backbordseite des Schiffes, auch nachts. Buchst Du eine Außenkabine auf der Backbord-Seite, wirst Du unter Umständen nicht nur von den Geräuschen geweckt, auch die Hafenbeleuchtung scheint durch Dein Fenster. Glücklicherweise hatten wir auf der Steuerboard-Seite gebucht und von den nächtlichen Aktivitäten nicht viel mitbekommen. Außer einer gewissen Stille, wenn die Schiffsmotoren nicht mehr auf Hochtouren liefen J

Die Reinigung hingegen hätte aus unserer Sicht aber in jeder Kabine, egal ob Deck 2, 3 oder 6 gleich gut sein sollen. Zumindest bei uns war dies nur anfangs der Fall. Je weiter die Reise fortschritt, desto weniger schien die Reinigung zu werden. Selbst für Toilettenpapier musste man zum Schluss die Reinigungskräfte ansprechen, da nicht automatisch nachgelegt wurde. Ein Wechsel der Bettwäsche muss sicherlich nicht jeden Tag sein, nach dem Wendepunkt in Kirkenes wäre es aber nicht schlecht gewesen. Hinsichtlich der Kabine war das Thema Reinigung etc. also nicht das Gelbe vom Ei.

Aufenthalt (Verpflegung)

Wie bereits geschildert, die Verpflegung an sich war super. Nicht sonderlich schön war aber oft die Tischorganisation im Allgemeinen. Dies lag nicht unbedingt an der Restaurantcrew selbst, sondern an ihrem Umgang mit eher sehr egoistischen Passagieren. Warum egoistisch?

Die Plätze im Bordrestaurant, in welchem die üblichen Mahlzeiten eingenommen wurden, sind begrenzt. In der Realität sah es dann so aus, dass diverse Passagiere (wir haben Euch ja schon in den Reiseberichten von einigen Auffälligkeiten berichtet) hier ihr egoistisches Verhalten fortsetzten. Einige andere Passagiere und auch wir sahen zu, beim Frühstück und Mittag die Mahlzeit zu sich zu nehmen, danach vielleicht noch kurz einen Kaffee zu trinken und danach Platz für die anderen „Hungrigen“ zu machen.  Andere Passagiere sahen das nicht so. Eine Vielzahl von Ihnen meinte, auch nach der Mahlzeit lange Zeit an den Tischen zu verweilen und sich zu unterhalten.

Das hätten sie auch genauso gut im übrigen Teil des Schiffes machen können, aber warum gehen, wenn’s doch so bequem ist. In einigen Fällen endete dies damit, dass diese Passagiere sogar von der Restaurantcrew aufgefordert werden mussten, doch bitte ihren Tisch für die nächsten Gäste zu räumen. Diese Aufforderung war aus unserer Sicht definitiv richtig, hätte oft aber deutlich früher passieren sollen. Spätestens, wenn vor dem Restaurant sich eine Warteschlang bildet.

Vor dem Eingang zum Bordrestaurant standen nämlich sehr oft schon mehrere Passagiere, die dann nicht mehr ins Restaurant gelassen wurden und warten mussten, bis die redseligen Zeitgenossen endlich ihre Plätze räumten. Buffet mit freier Platzwahl schön und gut, die Warterei war oft aber sehr nervig.

Die Reise im Allgemeinen

Von Beginn an war klar, dass die Aufenthalte in den einzelnen Häfen vielfach nicht sehr lang werden würden. Da die Hurtigruten-Schiffe originär keine Kreuzfahrtschiffe, sondern primär für die Versorgung der einzelnen Küstenregionen über die Häfen zuständig sind, ist auch die Organisation entsprechend. Die Touristen müssen sich an den straffen Zeitplan des Schiffes halten, wodurch die Aufenthalte in den einzelnen Häfen oft sehr kurz ausfallen. Die einzige Möglichkeit als Passagier ggf. mehr vom Umland oder Sehenswürdigkeiten zu sehen, ist die Buchung eines Ausfluges.

Das weiß auch Hurtigruten. Die Kosten für die Ausflüge sind recht teuer. Nicht ohne Grund gibt es inzwischen etwa am Nordkapp alternative Anbieter, die günstiger sind und gleichzeitig versprechen, die An- und Abfahrzeiten der Hurtigruten einzuhalten.

Wir hatten die beiden Ausflüge Nordkapp und Kirkenes gebucht. Pro Personen kamen für Ausflüge also ca. 300 Euro on top. Wenn Geld keine entscheidende Rolle für Dich bei Deiner Hurtigruten-Reise spielt, kannst Du diesen Aspekt eventuell eher vernachlässigen. Wenn das Reisebudget aber begrenzt ist, solltest Du genau überlegen, welche Ausflüge Du buchst. Schnell kommen alleine für die Ausflüge sonst nochmal 1000 Euro und mehr pro Person dazu.

Zusammenfassung Pro und Contra

Wo viel Licht ist, ist starker Schatten. So schrieb es schon Johann Wolfgang von Goethe in seinem Werk Götz von Berlichingen.  Auch auf unsere Fahrt mit der MS Polarlys der Hurtigruten trifft dies zu. Eine verallgemeinernde oder objektive Darstellung ist selbstredend nicht möglich. Alle uns aufgefallenen Aspekte mögen rein subjektiv sein oder auch nur auf die MS Polarlys in Kombination mit der Crew und Passagieren zum dem genannten Zeitpunkt zutreffen.

Dennoch wurde während der Fahrt für uns der Mythos Hurtigruten als Die schönste Schiffsreise der Welt entzaubert. Es war zweifelsohne eine tolle Erfahrung, dennoch haben wir für uns festgestellt, dass solche eine Art von Gruppenreise für uns nichts ist. Wir brauchen unseren Freiraum und zu oft war dies auf dem Schiff aufgrund des begrenzten Raums einfach nicht möglich. Verschiedene Kleinigkeiten kommen dann hinzu, die das Gesamtbild trüben.

Würden wir eine Reise mit den Hurtigruten oder eine Schiffsreise nochmals antreten?

Die klassische Route Bergen-Kirkenes-Bergen werden wir in dieser Form so sicherlich nicht noch einmal antreten.  Wenn überhaupt, würden wir ausschließlich die nordgehende Route buchen, da die südgehende zu wenig geboten hat. Von Kirkenes aus würden wir dann ggf. in Richtung Hammerfest zurückfahren oder fliegen und uns die Stadt unabhängig davon angucken.

Doch auch die nordgehende Route werden wir vermutlich nicht noch mal buchen. Es war eine schöne Erfahrung, entlang der Küste zu reisen. Doch Norwegens spektakuläre Natur im Landesinnern siehst Du leider zu wenig – außer Du buchst die Ausflüge. Viele spannende Aktivitäten, seien es Wasserfälle oder andere Sehenswürdigkeiten, findest Du im Landesinneren, nicht an der Küste selbst. Aufgrund der kurzen Aufenthalte in den Häfen gibt es jedoch kaum Chancen, diese auf eigene Faust zu erreichen.

Eine spannende Alternative könnte unter Umständen sein, das Landesinnere selbst zu erkunden und ein Hurtigruten-Schiff für Hafen-Hopping – von einem zum nächsten – zu nutzen, so wie es die Norweger auch tun. Eine Nacht auf dem Schiff, dann wieder von Bord und danach irgendein anderes Hurtigruten-Schiff für den nächsten Trip nehmen. Auf diese Weise kommst Du bequem im Schlaf voran, ohne selbst viel Zeit hinterm Steuer verbringen zu müssen.

Bist Du auch bereits mit einem der Hurtigruten Schiffe unterwegs gewesen? Oder hast Du die Tour gar mehrfach unternommen? Wie waren Deine Eindrücke? Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht oder war es bei Dir gänzlich anders? Schreib uns gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag oder schick uns auch gerne eine Mail über das Kontaktformular.

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