Unsere Hurtigruten-Reise 2018 mit der MS Polarlys (Reisebericht 2018, Teil 1)

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Unsere HURTIGRUTEN Reise 2018 mit der MS Polarlys (Reisebericht 2018, Teil 1)
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Nachdem unsere letzte Reise nach Norwegen im Sommer 2014 gefühlte Ewigkeiten her war, begaben wir uns 2018 von Ende September bis Mitte Oktober endlich wieder in unser Sehnsuchtsland.

Dabei beschritten wir dieses Mal ungewohnte Pfade. Anders als sonst gab es kein Ferienhaus als festen Ausgangspunkt. Nein, dieses Mal sollte es eine Reise mit einem Schiff der Hurtigruten werden, eine Fahrt entlang der norwegischen Küste. Mit der MS Polarlys wollten wir die klassische Postschiffroute Bergen – Kirkenes – Bergen bestreiten. Zusammenfassend war es eine wirklich tolle Tour. Trotz eher durchmischtem Wetter (Oktober halt, leider…) und einigen wenigen Punkten, die uns nicht so gut gefallen haben.

Eine tolle Tour war es vordergründig deswegen, um endlich einmal Ziele wie das Nordkap oder Kirkenes (bequem) erreichen zu können, welche schon sehr lange auf unserer Bucket-Liste standen. Auch Nordlichter konnten wir zum ersten Mal live sehen, leider nicht intensiv und nur sehr schwach. Aber die Bilder im Kopf bleiben dafür umso stärker.

Aber der Reihe nach. Nachfolgend wollen wir Dich auf unsere 12-tägige Schiffsreise mitnehmen. Der Bericht ist dabei in drei Teile geteilt:

  • Im diesem ersten Teil wollen wir Dir über die nordgehende Route von Bergen bis Kirkenes berichten.
  • Der zweite Teil wird die südgehende Route von Kirkenes nach Bergen behandeln.
  • Der abschließende dritte Teil wir dann unser Fazit beinhalten. Was hat uns an der Hurtigruten-Tour gefallen, was weniger. Würden wir die Reise nochmals antreten, was gibt es zu beachten und vieles mehr.

Sowohl den zweiten als auch dritten Teil werden wir hier verlinken, sobald sie veröffentlicht sind.

Die MS Polarys – RoRo Schiff der Hurtigruten Flotte

MS Polarlys der Hurtigruten (Bildnachweis: 2015, Regina Ahlborn / Hurtigruten )

Für unsere Tour von Bergen nach Kirkenes und wieder zurück hatten wir uns für die MS Polarlys entschieden. Die Polarlys ist – wie üblich in der Hurtigruten-Flotte – ein Passagier- und RoRo-Schiff (Roll On, Roll Off). Diese Schiffe transportieren also nicht nur Personen, sondern bringen auch Güter von A nach B. Die Schiffe der Hurtigruten transportieren Waren entlang der norwegischen Küste, laden diese in einem der 34 Häfen ab und nehmen wieder neue Ladung an Bord.

Während beim LoLo-Verfahren (Lift-On, Lift-Off) die Waren mittels Kränen vom und auf das Schiff befördert werden, wird die Ladung bei RoRo-Schiffen mit Fahrzeugen (wie Gabelstaplern) rein- und rausgefahren. Nebenbei bemerkt solltest Du dies auch bei einer möglichen Buchung berücksichtigen. In den Kabinen auf der Backbordseite wirst Du die Be- und Entladevorgänge, welche auch nachts stattfinden, wesentlich stärker wahrnehmen.

Die Polarlys ist wie die Nordlys und Midnatsol nach einer Naturerscheinung, in diesem Fall den Polarlichtern (Aurora borealis), benannt und fasst bis zu 619 Reisende. Erbaut wurde sie in der Ulstein-Werft 1996. 2016 erfolgt eine Modernisierung des Schiffes und der insgesamt sieben Decks, sodass wir also bereits mit der modernisierten Version unterwegs waren. Bei einer Länge von 123 Metern und einer Breite von 19,5 Metern schafft sie eine Geschwindigkeit von bis zu 15 Knoten.

Seitenansicht der MS Polarlys (Bildnachweis: Hurtigruten)

Tag 1 – Anreise nach Bergen

Bereits einen Abend vor Abflug waren wir nach Düsseldorf gereist und hatten im Lindner Hotel* in der Nähe des Flughafens übernachtet. Am Tag der Anreise flogen wir mit einem CityHopper der Fluggesellschaft KLM zunächst zum Zwischenstopp in Amsterdam. Dort galt es einen zweistündigen Aufenthalt zu überbrücken, bevor wir unsere Reise mit der nächsten KLM-Maschine in Richtung Bergen fortsetzen konnten.

Während wir Amsterdam bei Sonnenschein verließen, versprach der Wetterbericht für Bergen nichts Gutes: Regen – das eher typische Bergen-Wetter. Beim damaligen Besuch 2007 hatten wir bestes Sommer-Wetter mit blauem Himmel und Sonnenschein gehabt. Dieses Mal sollten wir nicht so viel Glück haben, denn der schlechte Wetterbericht bewahrheite sich. Als sich das Flugzeug über Bergen befindet und zum Landeanflug ansetzt, können wir aufgrund der dichten Regenwolken nichts von der Hafenstadt erblicken. Ankunft bei Regen am Flughafen Bergen.

Unser Gepäck hatten wir vor der Abreise soweit optimiert, dass wir alles mit Handgepäck abdecken können und darum nicht wie alle anderen Fluggäste am Gepäckband warten müssen. Stattdessen gehen wir direkt zur Hurtigruten Bushaltestelle (A4) und werden vom netten Busfahrer dann auch direkt als einzige Fahrgäste zum Hurtigruten-Anleger gefahren. Ein ganzer Bus für uns alleine, sehr cool. Beim Anleger angekommen, können wir bereits die MS Polarlys entdecken.

Da wir viel zu früh eintreffen und die Cafeteria im Wartebereich leider geschlossen hat, entscheiden wir uns trotz Regen für einen Spaziergang. Ein paar Straßen weiter kehren wir in einem kleinen Eck-Café ein und bestellen Kaffee. Leider schmeckt dieser nicht so besonders, sodass wir im Café nicht sehr lange verweilen und auf einen besseren Kaffee an Bord hoffen.

Blick auf die MS Polarlys vom Hurtigruten-Terminal in Bergen

Als wir zurückkommen, ist noch immer kein Check-in möglich, welcher erst gegen 15:30 Uhr startet. Also setzen wir uns im ersten Stock in den Wartebereich und warten. Als wir dann kurz vor halb vier wieder nach unten gehen wollen, scheint der richtige Moment verpasst. Zwei bis drei Busladungen wurden zwischenzeitlich ausgeladen, die Warteschlange vor dem Check-in ist inzwischen deutlich länger geworden. Auch der Altersdurchschnitt ist dramatisch gestiegen. Dann endlich können auch wir einchecken und erhalten unsere Bordkarten.

Ab aufs Schiff – unser Schiff für die nächsten knapp zwölf Tage. Über die Gangway vom Hurtigruten-Terminal gelangen wir auf Deck 5. Dort angekommen begeben wir uns zunächst auf Deck 4, um unsere Bordkarten als Zahlungsmittel freischalten zu lassen. Die Bordkarte kannst Du dabei entweder wie eine Prepaid-Karte mit einem festen Betrag „aufladen“ lassen oder mit Deiner Kreditkarte verknüpfen.

Danach begeben wir uns nach oben auf Deck 7, wo sich das Schiffscafè befindet. Dort begrüßt uns freundlich Crewmitglied Curtis, welcher auf Deutsch fragt, was wir denn gerne hätten. Wir bestellen Cappuccino und Kuchen. „Ihr braucht nicht warten, bringe ich Euch zum Platz“ sagt Curtis. Also suchen wir uns einen Platz in dem noch leeren Café und müssen noch nur einen kurzen Moment warten, bevor wir unsere Bestellung serviert bekommen. Ein Gedicht, Kuchen und Cappuccino schmecken wirklich fantastisch.

Nach der kleinen Kaffeepause haben wir ausreichend Zeit, um erst einmal in aller Ruhe das Schiff zu erkunden und uns in den Kabinen einzurichten. Am ersten Abend auf dem Schiff gibt es kein Menü und keine reservierten Plätze, sondern Buffet mit freier Sitzplatzwahl. Und so schlemmen wir ausgiebig im umfangreichen Buffet, das wirklich für jeden etwas zu bieten hat: Gemüse, Fisch, Fleisch, Obst und vieles mehr.

Gegen 20 Uhr verlässt die MS Polarlys den Hafen von Bergen – standesgemäß noch immer im Regen. Aufgrund des schlechten Wetters und der bereits fortgeschrittenen Uhrzeit bleibt eine schöne Panorama-Aussicht über Bergen und seinen Hafenbereich leider nur ein unerfüllter Wunsch. Die strahlenden Lichter der Stadt bleiben dennoch ein Hingucker. Den restlichen Abend verbringen wir größtenteils draußen auf Deck 7 im überdachten Bereich. Vor allem, weil drinnen hocken nicht unser Ding ist, zum anderen ist das so genannte Panorama-Deck sowieso überfüllt. Während unserer gesamten Reise haben wir hier auch vielleicht nur zwei- oder dreimal für ein paar Minuten gesessen, länger konnten wir es dort nicht aushalten.

Warum? Nerviges Gequatsche von einzelnen Mitreisenden, die oftmals zu tief in den Parfüm-Topf gegriffen haben, sodass alle Mitmenschen im Raum gleich mitduften. Nein danke, lieber raus und Norwegens frische Luft genießen. Hierher verirren sich oft nur die Raucher, Fotografen und andere Mitreisende, denen die Leute im Panorama-Deck ebenso auf die Nerven gingen.

Tag 2 – Hjørundfjord und Ålesund

Nachdem wir nachts bereits die Häfen Florø, Måløy und Torvik angelaufen hatten, legen wir an Tag 2 gegen 08:45 Uhr für etwas mehr als eine halbe Stunde in Ålesund an. Wir frühstücken jedoch erstmal ausgiebig, denn das Schiff wird die Stadt des Jugendstils an diesem Tag noch ein weiteres Mal anlaufen. Den Hafen verlassend unternimmt die Polarlys einen Abstecher in den 35 Kilometer langen Hjørundfjord, welcher im Herbst von den Hurtigruten-Schiffen an Stelle des Geirangerfjords angelaufen wird. Gegen 11:30 Uhr erreichen wir das Örtchen Urke am Ende des Fjords, wo das Schiff bis 15 Uhr vor Anker gehen wird. Tenderboote werden zu Wasser gelassen, einige Passagiere starten ihren ersten Ausflug. Andere Passagiere bleiben auf dem Schiff und verbringen ihre Zeit größtenteils im Innenbereich wie auf dem Panorama-Deck. Auch wir verweilen auf dem Schiff und besuchen ebenfalls kurz das Panorama-Deck. Einige Leute machen Schnappschüsse durch die verregneten Fensterscheiben. Man fotografiert das Motiv links, rechts, mittig, um genügend Munition für die 3.000 Foto-Diashow daheim zu sammeln. Wer’s braucht… 🙂

Wir begeben uns lieber wieder nach draußen. Doch an diesem Vormittag müssen wir feststellen, dass wir sträflich vernachlässigt hatten, uns korrekt zu informieren. Was war passiert? Am Abend zuvor hatten wir in der Kabine wie alle Passagiere einen Briefumschlag mit den Tickets für die Ausflüge sowie unseren Essenszeiten erhalten. Standardmäßig gibt es jeweils zwei Gruppen für das Mittagessen und vier Gruppen für das Abendessen. Wir hatten uns bereits etwas geärgert, da wir in die spätere Gruppe eingeteilt wurden (Mittag von 13:30 bis 14:30 Uhr und Abendessen um 20:00 Uhr), obgleich wir bereits vor Antritt der Reise um frühere Essenszeiten insbesondere für das Abendessen gebeten hatten. Bereits eingeplant war, nach dem ersten Mittagessen an der Rezeption zu fragen, ob eine Änderung möglich sei. Und so begeben wir uns gegen 13:30 Uhr in den Speisesaal, um festzustellen – es gibt kein Mittagessen mehr.

Das Mittagessen am zweiten Tag weicht vom regulären Plan ab und wird bereits zwischen 10:30 bis 13:00 Uhr serviert (aufgrund des oben genannten Ausflugs in Urke). Diese Information hätten wir dem Tagesprogramm entnehmen können, welches an der Board-Rezeption ausliegt und dort mitgenommen werden kann. Jenes hatten wir allerdings versäumt bzw. uns vorab nicht korrekt über die Tagespläne informiert. Doch die freundliche Mitarbeiterin im Board-Restaurant ist sehr zuvorkommend und findet gleich eine Alternative für uns. Sie führt uns ins das kleine Restaurant, das sich ebenfalls auf Deck 4 befindet und welches kostenpflichtige Gerichte anbietet. Wir können uns ein Gericht von der Mittagskarte aussuchen und müssen für dieses auch nichts extra zahlen. Bei der Gelegenheit erfragen wir auch gleich, ob ein Wechsel der Essenszeiten (Abendessen von 20 Uhr auf 18 Uhr) möglich sei. Und tatsächlich, auch diesen Wunsch erfüllt die Restaurant-Mitarbeiterin prompt. Da die Einteilung von Mittagessen und Abendessen korrespondieren, wechseln wir beim Mittagessen ebenso in die erste Gruppe.

Wie sich später herausstellen wird, war es gut, sich so zeitig um eine alternative Essenszeit zu kümmern. Beiläufig bekommen wir an den ersten Tagen immer wieder mit, dass sich auch andere Passagiere um einen früheren Termin bemühen. Aufgrund von Planung und verfügbaren Plätzen ist dies aber nur begrenzt möglich und so wird den meisten Fragenden freundlich abgesagt.

Gegen 15 Uhr sind die letzten Ausflügler wieder an Bord, sodass das Schiff gen Ålesund ablegt und den Hafen gegen 17 Uhr erreicht. Und wieder fallen diverse der Passagiere negativ auf. Während viele in Richtung der Busse stürmen, um an dem Ausflug teilzunehmen, wollen wir ein paar Fotos im Hafen machen. Egoistisch wie mancher ist, wird natürlich nicht darauf geachtet, man rennt uns ständig ins Bild. Von Rücksicht keine Spur, Hauptsache selbst ein Foto knipsen. Einige der Mitreisenden gehen uns jetzt schon gewaltig auf den Geist und erste Gedanken machen sich breit, dass diese Art zu Reisen vielleicht nicht die Unsere ist oder je sein wird. Der Aufenthalt mit etwas mehr als einer Stunde ist zu knapp, um etwa noch einmal auf den Aussichtspunkt Aksla zu wandern. Also nutzen wir die Zeit und schlendern durch die Gassen der Jugendstil-Stadt und versorgen uns noch mit Getränken im nahe gelegenen Bunnpris, der die Getränke für weniger als die Hälfte als auf dem Schiff verkauft.

Zu Besuch in Ålesund

Erneut zurück auf der Polarlys ist es bereits Zeit für das Abendessen, dass wir ja glücklicherweise auf 18 Uhr vorverlegen konnten. Der heutige Abend steht im Zeichen Ålesunds und der Hardanger-Region. Als Vorspeise gibt es ein Carpaccio vom Klippfisch aus Fiskarstrand. Das Örtchen liegt rund 30 Fahrminuten von der Jugendstil-Stadt entfernt. Während das Hauptgericht serviert wird, können wir durch die Fenster beobachten, wie die Polarlys den Hafen Ålesunds wieder verlässt.

Derweil genießen wir die Lammkeule aus Hellesylt, welche in einer Bouillon aus gekochten Pastinaken, Spargelbohnen und einer Soße mit arktischem Senf aus der Kommune Beiarn serviert wird. Das Menü wird schließlich mit dem Nachtisch abgerundet, welcher aus karamellisierten Äpfeln und einer Skjenning-Eiscreme besteht. Äpfel aus der Hardanger-Region gelten aufgrund des Reifeprozesses unter ständig wechselnden Wetterbedingungen von Temperatur und Feuchtigkeit als besonders delikat. Skjenning wiederum ist ein traditionelles Fladenbrot in Norwegen, das während des Backprozesses karamellisiert.

Nach der leckeren Mahlzeit verbringen wir noch etwas Zeit auf Deck, bevor es zeitig in die Kojen geht. Am dritten Tag steht Trondheim auf dem Plan, in dessen Hafen das Schiff bereits um 08:30 Uhr anlegen wird.

Tag 3 – Aufenthalt in Trondheim

Um 08:30 Uhr legt die MS Polarlys in Trondheim an. Erneut verlässt ein Teil der Passagiere das Schiff. Einige besteigen Busse für eine Stadtrundfahrt, für andere ist die (kurze) Reise in Trondheim bereits zu Ende. Wir beobachten den Himmel und warten zunächst ab. Ein Schauer zieht über die Stadt und der Regen scheint zunächst nicht aufzuhören.

Doch dann reißt der Himmel doch noch auf und die Sonne strahlt über der Stadt. Die nassen Dächer glänzen im Licht der Sonne und da das Schiff bis mittags in der einstigen Hauptstadt Norwegens vor Anker liegt, bleibt ausreichend Zeit zur Stadterkundung. Auch ein Besuch bei der Gamle Bybro, der alten Stadtbrücke Trondheims, steht erneut auf unserem Plan. Schon 2010 waren wir auf unserer Rückreise aus Kjerringøy hier gewesen.

Gamle Bybro – Die alte Stadtbrücke Trondheims
Blick auf die alten Speicherhäuser Trondheims von der alten Stadtbrücke (Gamle Bybro) aus

Nach dem ausgiebigen Stadtspaziergang, bei welchem sich das Wetter glückweise doch noch zum Guten gewendet hatte, kehren wir zurück aufs Schiff. Die MS Polarlys verlässt den Hafen von Trondheim und passiert kurze Zeit später Munkholmen. Die kleine Insel im Trondheimsfjord ist vor allem für die darauf befindliche Festung bekannt. Vor dem 12. Jahrhundert wurde die Insel als Hinrichtungsstätte berüchtigt, war zwischen 1100 bis 1537 ein Benediktinerkloster und wurde zwischen 1660 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges immer wieder als Festung verschiedener Regenten oder auch als Staatsgefängnis genutzt. Heute ist Munkholmen ein beliebtes Ausflugsziel zum Baden oder Sonnenliegen.

Das Schiff lässt den Trondheimsfjord hinter sich und nimmt wieder Kurs auf die offene See. Unser nächster Stopp wird erst gegen neun Uhr abends in Rørvik sein. Ein halber Tag auf See also. Die Strecke zwischen Trondheim und Rørvik hält dabei noch zwei kleinere Highlights bereit. Gegen 14:30 Uhr passieren wir Kjeungskjær Fyr, einem 21 Meter hohen Leuchtturm der vor der norwegischen Küste auf einer Schäre vor Ørland liegt. Der 1880 errichtete Leuchtturm ist aufgrund seiner achteckigen Form einzigartig in Norwegen.

Das Hurtigruten-Schiff macht einen kleinen Abstecher durch den Stokksund, eine als extrem schwierig zu passierende Meerenge. Erschwerend kommt die Brücke zwischen Stoksund und Stokknes hinzu, unter welcher die Polarlys in der Mitte gerade mal noch zwei Meter Platz nach oben hat. Im Anschluss geht es wieder Richtung offene See. Die Landschaft und der Tag ziehen langsam an uns vorbei. Infolge des guten Wetters haben sich die ansonsten Draußen-Faulen vom Panorama-Deck ebenfalls an Deck gesammelt.

Die Hurtigruten fährt unter der Brücke zwischen Stoksund und Stokknes her

Schon interessant, normalerweise hängt die besagte Gruppe nur im Panorama-Deck oder in den Cafès. Kaum guckt die Sonne nur ein wenig raus, sind sie draußen, knipsen Fotos ohne Rücksicht inklusive Rempeln. An dieser Stelle sei betont, dass die MS Polarlys bis zu 619 Passagiere fasst und das oben genannte Verhalten ganz und gar nicht auf alle Mitreisenden zutraf. Vielmehr fielen eigentlich immer die gleichen Leute negativ auf.

Auf unserer Tour reisten einige Kandidaten mit (vor allem aus Deutschland und den USA), deren Art und Weise (Mit-Handtuch-einen-Sitzplatz-Reserviern-Manier) wir sonst durch unsere Reisen in den Norden zu entfliehen versuchen. Sie legen eine Art an den Tag, die uns gehörig auf die Nerven geht und die man trotz einiger Zurechtweisungen oft nur so hinnehmen kann. Der Raum auf dem Schiff ist nun einmal begrenzt und Möglichkeiten des Freiraums ergeben sich nicht viele. Wenn Du wie wir sonst auch eher als Individual-Reisender oder Backpacker unterwegs bist, wirst Du den Unterschied zu dieser Art einer Gruppenreise sicherlich auch schnell bemerken.

Gegen 18 Uhr gibt es Abendessen – schon wieder Essen… Daran mangelt es auf dieser Reise ganz sicher nicht. Das heutige Menü steht im Zeichen der Trøndelag-Küste. Unter dem Motto Küste der Kontraste wird als Vorspeise ein Sodd von der Inderøy Schlachterei serviert. Sodd ist eine traditionelle Suppen-Speise in Norwegen, die üblicherweise mit Fleischklößchen aus Hammelfleisch gereicht wird.  Die Hauptspeise besteht aus Aukra-Lachs an Zucker-Seetang, Petersilienwurzel und einer Soße aus blauen Muscheln. Auch dieses Menü wird erneut durch einen leckeren Nachtisch abgerundet, einem Dickmilch-Pudding aus Røros mit schwarzen Johannisbeeren.

An jenem Abend ist der Wellengang deutlich stärker, als an den vorigen Abenden. Stürmisch ist es nicht. Dennoch ist der Wellengang ausreichend, so dass viele Gäste den Saal an jenem Abend viel früher als gewöhnlich verlassen. Auch wir bemerken ein leichtes Unwohlsein und das Gefühl, dass das Essen an diesem Abend in Kombination mit dem Wellengang zu viel war.

Also erstmal frische Luft an Deck 7 schnuppern gehen. In diesem Fall für uns die beste Medizin, um das Unbehagen los zu werden. Trotzdem begeben wir uns nachdem Anlegevorgang in Rørvik in unsere Kojen. Es wird eine unruhige Nacht, immer wieder werden wir zwischendurch vom Auf und Ab der Wellen aufgeweckt.

Tag 4 – Überquerung des Polarkreises

Als wir am Morgen des vierten Tages aufwachen, haben wir den magischen Punkt passiert. Die MS Polarlys hat den Polarkreis bereits um 07:15 Uhr überschritten und befindet sich nun in arktischen Gewässern. Auf Deck 7 wird die nordgehende Polarkreistaufe vollzogen, die aus einer Schaufel Eiswürfel im Nacken und Schnaps in der Hand besteht. Die Besatzung amüsiert sich bei diesem Ritual jedenfalls köstlich. Eingerahmt durch die Geschichte, Neptun besuche als Gott der Ozeane das Hurtigruten-Schiff, wird die Taufzeremonie vollzogen. Auch wenn dieses Erlebnis vielleicht einmalig ist, lassen wir die nordgehende Taufe aufgrund der Jahreszeit, der Temperatur und dem eigenen Wohlbefinden aus.

Jenseits des Polarkreis entlang der norwegischen Küste

Stattdessen genießen wir die schöne Aussicht entlang der Küste, bevor wir uns gegen 12:30 Uhr kurz in Richtung Kabine begeben. Der Landgang in Bodø steht an und wir wollen kurz unsere Sachen holen. Wir entdecken an den Kabinen-Türen unsere Polarsirkel Sertifikate. Das Zertifikat erhält jeder Passagier, der sich am vierten Tag noch auf dem Schiff befindet. Bei sonnigem Wetter legen wir im Hafen an, schlendern durch Stadt, erledigen noch ein paar Einkäufe und verweilen schließlich im Hafenbereich. Gegen 15 Uhr geht es weiter gen Lofoten.

Wir verlassen den Hafen von Bodø

18 Uhr – Essenszeit. Auch am vierten Tag gibt es wieder ein interessantes Menü. Als Vorspeise wird ein Kartoffel-Broccoli-Gnocchi mit Spargel und einer Soße mit Himmeltind-Käse aus Aalan Gård gereicht. Es folgt die Hauptspeise, einem Haferkuchen mit Pilzen aus dem Hause Jæder Ådne Espeland, zusammen mit Kirschtomaten, Linsenpüree sowie Spinat und geschmorten Rüben. Ein Schokoladen-Fondue samt Erdbeeren und Lofotpils-Eiscreme (Lofotpils ist das Bier einer Brauerei in Svolvær) rundet die Schlemmer-Mahlzeit ab.

Nach dem Abendessen und einem kurzen Zwischenstopp um 19 Uhr in Stamsund erreichen wir gegen 21 Uhr Svolvær, Hauptstadt der Lofoten. Bis auf einen kleinen Einkaufsladen in Hafennähe und einem fahrenden Händler, der warme Baumwoll-Pullover mit Elchmotiven verkauft, ist im Hafenviertel an diesem Abend nicht mehr viel los. Viele nutzen den einstündigen Stopp für einen Spaziergang und kurzen Einkauf. Um uns die Beine auf festem Grund zu vertreten, gehen wir ebenfalls von Bord.

Nach der Rückkehr aufs Schiff begeben wir uns erneut auf das Außendeck. Eingepackt in unsere Jacken halten wir Ausschau nach Nordlichtern. Es ist recht kalt geworden und auch der Wind pfeift uns um die Ohren. Haben wir an diesem Abend Glück, endlich Nordlichter entdecken zu können? Nach einiger Zeit vermuten wir leichte Ausläufer erkennen zu können, doch wirklich sicher sind wir uns nicht. So richtig scheint das an diesem Abend jedenfalls nichts mehr zu werden und begeben wir uns langsam zu Bett.

Tag 5 – Zu Besuch in Tromsø – Tor zum Eismeer

Bereits den fünften Tag sind wir nun auf dem Schiff. Als wir morgens aufstehen, liegt das Schiff noch in Harstad vor Anker. Die Lofoten-Inseln haben wir in der Nacht hinter uns gelassen und auch die Vesterålen haben wir bereits vollständig passiert. Das große Highlight wird an diesem Tag der Besuch in Tromsø sein. Ein weiteres kleineres Highlight erreichen bereits gegen 13:30 Uhr. Das Schiff durchquert die Rystraumen Enge, welche südwestlich der Stadt liegt.

Die 2,1 Kilometer lange und 900 Meter breite Insel Ryøy teilt den Straumsfjord nördlich in den Storstraumen und südlich in den Litjestraumen. Gemeinsam werden sie als Rystraumen bezeichnet. Ryøy hält ebenfalls eine interessante Geschichte bereit: Diente die Insel vor Tromsø einst zur Abschreckung von Verbrechern, in dem man aufgespießte Köpfe aufstellte, so wurde sie viele Jahre durch die Universität Tromsøs genutzt. Es wurden Moschusochsen auf der Insel angesiedelt und ihr Verhalten erforscht. Zwischenzeitlich sollte die Insel für rund 12 Millionen norwegische Kronen verkauft werden, es fand sich jedoch kein Käufer. Dem aktuellen Stand nach soll die Insel nun für den Tourismus freigegeben werden, sobald der letzte Moschusochse verstorben ist.

14:30 Uhr – Die MS Polarlys legt in Tromsø an, die umliegenden Berge sind ganz in weiß gehüllt. Endlich sind wir wieder am Tor zum Eismeer. Bereits 2014 waren wir in der Region um Tromsø gewesen und hatten uns in die Stadt und die umliegende Gegen verliebt. Nach all unseren Reisen gehört Tromsø zu unseren liebsten Städten in Norwegen. Darum hatten wir eigentlich erneut einen Ausflug zum Berg Storsteinen geplant, auf den wir mit der Fjellheisen-Seilbahn fahren wollten. Da es unten in der Stadt aber bereits stark regnet und über dem Berg Regen- und Schneewolken hängen, verbringen wir den Nachmittag lieber in der Innenstadt, schlendern durch die Geschäfte und machen vom Hafen aus ein paar Fotos.

Blick vom Hafen Tromsøs hinüber zur Eismeerkathedrale
Blick vom Hafen Tromsøs hinüber zur Eismeerkathedrale
Nach dem Regenschauer ist ein Regenbogen im Hafen Tromsøs zu sehen
Abendstimmung in Tromsø mit der Eismeerkathedrale im Hintergrund
Abendstimmung in Tromsø

Gegen 18:30 Uhr setzt das Schiff seine nordgehende Fahrt fort. 2014 war Tromsø unser bis dahin nördlichster Punkt in Norwegen gewesen. Jegliches Ziel das nun folgen würde, brachte uns an einen noch nördlicheren Punkt als je zuvor. Und so genießen wir das tolle Gefühl, stetig weiter nordwärts zu kommen, beim Abendessen. Neben einer Spinatsuppe mit Speck als Vorspeise, steht für das Hauptgericht Saibling aus Sigerfjord mit Broccoli-Püree sowie in Butter pochierter Kohlrabi mit einer Rüben-Apfel-Sauce auf der Tageskarte. Abgerundet wird das heutige Menü mit einem Nachtisch bestehen aus Pflaumen mit Schokolade und Löwenzahnsirup von der kleinen Insel Rolvsøy, auf welcher gerade einmal 65 Menschen leben.

Tag 6 – Sehnsuchtsziel Nordkapp

Für den sechsten Tag steht eines unserer absoluten Highlights und langersehnten Sehnsuchtsziele unserer Bucket-Liste auf dem Plan: Das Nordkap (oder Nordkapp in der norwegischen Schreibweise).

Als wir morgens aufwachen, verlässt die MS Polarlys gerade den Hafen von Hammerfest. Auf der Rückfahrt werden wir in der nördlichsten Stadt Europas noch einen längeren Aufenthalt und Gelegenheit zur Erkundung haben. Gegen 12:30 läuft die Polarlys im Hafen von Honningsvåg ein. Letzter Stopp vorm Nordkapp.

Honningsvåg ist nicht nur Anlegestelle der Hurtigruten und Ausgangspunkt vieler Nordkapp-Touristen, sondern tatsächlich seit einigen Jahren die nördlichste Stadt Europas, nachdem der Ort 1998 die Stadtrechte erlangte. Allerdings gibt es bis heute ein Abkommen mit der Stadt Hammerfest, dass Honningsvåg zwar geographisch nördlicher als jene liegt, letztere aber weiterhin ihren Slogan verwenden darf. Solltest Du Dich fragen, warum wir Europa und nicht der Welt schreiben – fälschlicherweise sprechen manche oft von der nördlichsten Stadt der Welt. Dieses Aussage ist jedoch nicht korrekt, da es noch weiter nördlich liegende Städte wie Utqiaġvik (früher: Barrow) in Alaska gibt.

Wir verlassen das Schiff und nehmen an unserem ersten Ausflug teil. Es regnet und wir hoffen, dass sich das Wetter in den nächsten Minuten noch bessern wird. Wir Ausflügler werden in die Busse verfrachtet, es gibt jeweils Busse für deutsch- und englischsprechende Touristen. Und los geht’s. Tourguide Jürgen, ursprünglich aus Passau im Süden Deutschlands, lebt schon seit Anfang der 1970er-Jahren hier oben in der Finnmark und erzählt vielerlei Geschichten über das hiesige Leben, den Ort und seine Einwohner. Zwischen Hafen und Nordkap-Parkplatz liegen rund 35 Kilometer, genügend Zeit, um die eine oder andere Geschichte zu zum Besten zu geben 🙂

Auf etwa halber Strecke erblicken wir ein Lávvu, ein traditionelles Zelt der Sami. Der Bus hält für einen kurzen Zwischenstopp. In Originaltracht begrüßt die Sami-Familie uns Touristen. Wer mag, darf auch ein Foto machen und etwas in dem direkt danebenliegenden Souvenir-Shop kaufen. Bereits seit den 1950er-Jahren habe sich diese Familie auf den Tourismus spezialisiert, erzählt Tourguide Jürgen. Tüchtige Geschäftsleute also, die erkannt haben, dass sich mit Souvenirs und Tourismus mehr verdienen lässt, als Waren auf dem Wochenmarkt zu verkaufen. Ein Schelm, wer Böses denkt, wenn man den auf der anderen Straßenseite parkenden, neuen Audi RS6 erblickt. Scheint also gut zu laufen das Geschäft. Auf der späteren Rückfahrt wird von der Sami-Familie auch nichts mehr zu sehen sein. Vielleicht gucken sie ein wenig Netflix, bis der nächsten Touristen-Bus hält 😛

Indes finden wir viel spannender, dass sich der Regen inzwischen in Schnee verwandelt hat. Der Bus setzt nach der kleinen Verkaufstour Verschnaufpause seine Fahrt fort. Frischer Neuschnee liegt auf den Bergen, am Wegesrand und auf der Straße. Jürgen versichert, wir bräuchten uns keine Sorgen machen, der Bus sei bereits mit Spikes unterwegs. Tatsächlich nimmt der Busfahrer die Kurven trotz Schnee recht zackig, das würde sich vielleicht mancher selbst mit seinem PKW nicht trauen. Im Gegenverkehr möchte man den Bus auch nicht unbedingt begegnen…

Oben am Parkplatz angekommen, verwandelt sich der Schneefall unglücklicherweise wieder mehr in Schneeregen. Eine knappe Stunde werden wir Aufenthalt haben, hoffentlich ausreichend Zeit, um ein freies Foto des Nordkapp-Globus zu ergattern. Wir genießen die tolle Aussicht, denn es ist einfach ein fantastisches Gefühl hier oben am Ende der Welt zu stehen – trotz dass wir aufgrund des nass-kalten Wetters schon bald unsere Fingerspitzen nicht mehr fühlen. Dennoch verharren wir am Wahrzeichen des Nordkaps, um ein Foto mit möglichst wenig anderen Leuten einfangen zu können.

Nordkap-Globus – Das Wahrzeichen des Nordkapps
Blick auf das Nordkap Plateau

Nach einigen Minuten sind glücklicherweise die meisten anderen Mitreisenden wieder verschwunden, um sich in der Nordkaphalle aufzuwärmen, Souvenirs zu kaufen oder sich den Informationsfilm anzugucken. Endlich sind die letzten Personen verschwunden und wir machen schnell ein paar Fotos. Dann wollen wir uns auch aufwärmen und gehen zurück in Richtung der warmen Halle. Die Finger sind eiskalt. Egal, das vergeht schon – die Fotos und das Gefühl kann uns keiner mehr nehmen.

Gegen 14:00 Uhr sammeln wir uns wieder an den Bussen und setzen uns wieder in Bewegung Richtung Hafen. Während der Rückfahrt erzählt der Reiseführer weitere Geschichten über die Finnmark. Als wir am Hafen ankommen, gibt die Polarlys bereits das Signal zum Ablegen. Von Deck 7 aus werfen wir einen letzten schwärmenden Blick auf Honningsvåg. Und während sich über dem Ort dank Nachmittagssonne eine tolle Kulisse bietet, erblicken wir im Hintergrund sehr dunkle Wolken. Trotz des etwas gemischten, kalten Wetters hatten wir vermutlich nochmal Glück gehabt.

Blick auf den Ort Honningsvåg in der Finnmark
Blick auf den Ort Honningsvåg in der Finnmark

An diesem Nachmittag gibt es mit der Finnkirka zwischen Kjøllefjord und Mehamn noch eine kleinere Sehenswürdigkeit. Zum einen galt die Halbinsel Nordkynn unter Seeleuten schon immer als eine als gefährlich zu passierende Stelle. Zum anderen erblickt man aber während der Einfahrt in den Kjøllefjord auch Finnkirka, die wie eine Kirche geformte Klippe. Viele Millionen Jahr lang hat die See diese Klippe geformt, welche aufgrund eine ungewöhnlichen Erscheinung auch eine alte Opferstätte der Samen war.

Blick auf die Finnkirka in der Ferne (linker Hand)
In der Nähe der Finnkirka
Finnkirka – Eine alte Opferstelle der Samen

Das Schiff verlässt den Seitenarm wieder in Richtung offenes Meer, was alle Passagiere spätestens mit dem erneut etwas stärkeren Wellengang wahrnehmen können. Infolge dessen verlassen erneut viele Gäste beim späteren Abendessen recht früh ihren Platz. Manche sind aufgrund von Unwohlsein erst gar nicht erschienen.

Am sechsten Tag wird passenderweise das Nordkapp-Buffet serviert, also kein Dinner-Menü wie an den vorigen Abenden. Mit einer großen Auswahl an warmen und kalten Speisen können die Gäste unter anderem zwischen Aurora-Lachs aus Skjervøy, frischen Krabben aus dem Lyngenfjord und Finnbiff aus der Finnmark wählen. Gerade das Rentier-Fleisch (Finnbiff) ist ein richtiges Highlight für Fleisch-Fans und schmeckt super lecker. Ein Nachtisch aus Johannisbeer-Mouse mit Haselnusskruste rundet das delikate Buffet ab.

Den Abend lassen wir fast schon wie üblich an Deck ausklingen, noch immer in der Hoffnung auf Nordlichter. Doch bis jetzt war uns das Glück diesbezüglich noch immer nicht hold. Obgleich wir fast die Hälfte der Reise hinter uns haben, sind wir dennoch weiterhin zuversichtlich.

Tag 7 – Wendepunkt Kirkenes

Am siebten Tag steht mit der Ankunft in Kirkenes der Wendepunkt unserer Reise an. Für viele Reisende endet die Tour bereits in Kirkenes, sie haben nur die nordgehende Route gebucht. Und während wir uns gegen 09:00 Uhr in den Bus für den Ausflug zu russischen Grenze setzen, tragen andere ihre Koffer in den Flughafentransfer-Bus. Ein praktischer Vorteil die Ausflügler: Die Busse sind bei der Kirkenes-Tour deutlich leerer, als es bei der Nordkapp-Tour der Fall war. Nahezu jeder kann sich einen Doppelplatz bzw. Fensterplatz gönnen. Da die beiden Busse die einzelnen Stationen in umgekehrter Reihenfolge anfahren, kommt es auch zu keinem Stau an den Halteplätzen. Das hat die Tour-Organisation sehr gut gelöst, wie wir finden.

So brechen wir kurz nach neun Uhr auf zur russischen Grenze. Tourguide Timo, der in Kirkenes seit zwei Jahren lebt und neben seiner Tätigkeit als Reiseführer Huskys trainiert, erzählt über die Gegend um Kirkenes, seine Einwohner und die doch wechselhafte Geschichte. An der Grenze zu Russland ausgekommen, steigen wir aus. Doch vorab gibt es einen warnenden Hinweis: Bis zum Zaun ist OK – aber unter keinen Umständen einen Fuß über die Grenze setzen. Dies gibt nicht nur Ärger, sondern kann auch richtig teuer werden. Auch ein versehentliches Übertreten auf norwegischer Seite kann 5.000 NOK (ca. 500 Euro) kosten. Alle Anwesenden halten sich natürlich daran, ohnehin kann man sich die Umgebung auch so gut genug anschauen. Das Licht an diesem Vormittag ist etwas surreal und lässt die Büsche und Bäume in einem interessanten Licht erscheinen.

Kirkenes – An der russischen Grenze
Kirkenes – An der russischen Grenze
Schilder in der Nähe des Grenzüberganges

Bevor es mit dem Bus weitergeht, statten alle Ausflügler noch dem kleinen Souvenir-Händler einen Besuch ab, der allerlei Souvenirs mitunter auch aus Russland verkauft. Heimlicher Star ist aber sein Husky Teddy, der aufgrund seines sehr dichten Fells wirklich an einen Teddybär erinnert.

Husky Teddy ist der heimliche Star und posiert gerne für Fotos

Mit dem Bus setzen wir anschließend unsere Reise fort. Zunächst fahren wir auf dem Rückweg durch den 2017 fertiggestellten Tunnel, welcher den Verkehr zwischen Russland und Norwegen vereinfachen und somit die wirtschaftlichen Beziehungen verbessern soll. Eine interessante Nebeninfo, die uns Timo zwischenzeitlich gibt: Grenznahe Bewohner, sowohl diesseits als auch jenseits der Grenze, können nach einem mindestens dreijährigen Aufenthalt ein 30 Kilometer Visum beantragen. Dies hat für die Norweger den Vorteil, sehr günstig Lebensmittel, aber vor allem auch Alkohol und Benzin hinter der Grenze erwerben zu können. Die grenznahen Russen wiederum schätzen besonders die norwegische medizinische Versorgung zum Beispiel durch Zahnärzte.

Unser nächster Halt liegt auf dem Aussichtspunkt der Stadt. Am und auf dem Berg sind die Grundstücke teurer, entsprechend stehen hier die besseren Häuser. Am Aussichtspunkt selbst hat man einen recht guten, wenn auch nicht ganz freien Ausblick über die Stadt und den Hafen.

Aussichtspunkt in Kirkenes mit Blick über Stadt und Hafen
Aussichtspunkt in Kirkenes mit Blick über Stadt und Hafen

Informativ zu wissen: Im Winter sollen sich die Scheiben aufgrund der Kälte von bis zu minus 40°C schon einmal verbiegen. Während die Winter in Kirkenes also sehr kalt werden können, ist das Wetter dennoch sehr abwechslungsreich. Denn im Sommer werden hier teilweise auch plus 30°C gemessen. Der Sommer 2018 war etwa so ein heißer Sommer. Die Menschen von Kirkenes durchleben also Temperaturen von bis zu 70°C Unterschied in einem Jahr, wow.

Unser letzter Stopp ist am Bunker Andersgrotta, welcher während des zweiten Weltkrieges von den beheimateten Bergarbeitern für die Einwohner gebaut wurde. Nach einem Besuch im Bunker und einer Filmvorführung geht es wieder zurück aufs Schiff. Von Kirkenes sind wir im Nachhinein wirklich begeistert, eine tolle Stadt mit Atmosphäre und Charakter. Hier wollen wir auf jeden Fall noch einmal hin! Denn leider verlässt das Schiff schon kurz nach unserer Rückkehr im Hafen den Ort wieder.

Ab jetzt befinden wir uns also wieder auf dem Rückweg. Zugleich haben an diesem Morgen aber nicht nur Passagiere die MS Polarlys verlassen. Es sind ebenso neue Passagiere an Bord gekommen, welche die südgehende Tour Kirkenes-Bergen gebucht haben. Weitere große Highlights hält der siebte Tag nicht mehr bereit. Die Tour durch Kirkenes und zur russischen Grenze war einfach der krönende Abschluss der nordgehenden Route.

Wir lassen den Tag an uns vorbeiziehen, es gibt kleinere Stopps in Vardø, Båtsfjord und Berlevåg. Für das leibliche Wohl sorgt erneut das anstehende Menü: Der Sami Láibi Vorspeise, ein eingelegter Hering mit Sauerrahm sowie Eiersalat und Zwiebeln, folgt wieder eine sehr delikate Hauptspeise. Das Hauptgericht besteht aus Rentier mit Austernpilzen, Kartoffelpüree und einer Rotweinsauce mit Blaubeeren. Abgerundet wird das Menü mit dem Nachtisch, bestehend aus einem Waffelherz mit Vanille-Käsebruch und eingelegtem Rhabarber.

Hinsichtlich der Speisen gibt es auf den Hurtigruten wirklich keinen Grund, sich in irgendeiner Weise zu beschweren. Sämtliche Speisen sind exzellent und abwechslungsreich. Auch für den Fall, dass Du als Reisender bspw. kein Fleisch essen oder bestimmte Zutaten nicht vertragen solltest, stehen täglich alternative Gerichte bereit. Somit deckt man auch die Bedürfnisse von Vegetarianern, Veganern und Allergikern zufriedenstellend ab. Das einzige kleine Manko an diesem Abend: Eigentlich hatten wir auf ein Menü gehofft, dass passend zu Kirkenes auch Königskrabben umfasst 🙂 Leider waren diese während unserer Hurtigruten-Reise nur separat im Bistro käuflich zu erwerben.

So geht es weiter

Das war sie, unsere nordgehende Route mit der MS Polarlys der Hurtigruten-Flotte. Wie wir die südgehende Tour erlebt haben, erfährst Du im zweiten Teil.

Bist Du auch schon mit den Schiffen der Hurtigruten unterwegs gewesen? Wie waren Deine Erfahrungen? Schreibe uns gerne einen Kommentar. Uns würde natürlich auch interessieren, mit welchem der Schiffe Du bisher unterwegs gewesen bist.

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