Unsere Hurtigruten-Reise 2018 mit der MS Polarlys (Reisebericht 2018, Teil 2)

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Unsere HURTIGRUTEN Reise 2018 mit der MS Polarlys (Reisebericht 2018, Teil 2)
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Die südgehende Hurtigruten-Tour mit der MS Polarlys

Im ersten Teil unseres Hurtigruten-Reiseberichts haben wir Dir bereits ausführlich über den nordgehenden Teil unserer Reise berichtet. Mit Start in der Hafenstadt Bergen ging es hinauf bis nach Kirkenes an der russischen Grenze. Die ersten Tage boten spannende Stationen wie Ålesund, Trondheim, Tromsø und natürlich das Nordkapp.

In diesem zweiten Teil berichten wir über die südgehende Route von Kirkenes zurück nach Bergen. Die Stadt Hammerfest war auf der Rückroute eines unserer Highlights.

Tag 8 – Zu Gast in Hammerfest – Der „Nördlichsten Stadt Europas“

Während um 05:30 Uhr bereits einige Hurtigruten-Passagiere zur Tour „Frühstück am Nordkap“ aufgebrochen waren, frühstückten wir wie gewöhnlich auf dem Schiff. Früher als gewöhnlich, denn bereits gegen 10:45 Uhr sollte das Schiff im Hafen von Hammerfest anlegen. Also nix mit lange ausschlafen. Hammerfest stand für uns als eines der letzten großen Highlights auf dem Plan. Mit etwas Verspätung legen wir bei sonnigem Wetter schließlich im Hafen an und können auch direkt von Bord gehen.

Unser Hauptziel: Salen (Sattel). Der Aussichtspunkt liegt rund 80 Höhenmeter über dem Stadtzentrum und gilt als Dach von Hammerfest. Von dort oben hast Du einen exzellenten Panorama-Blick über die nördlichste Stadt Europas. Um auf den Berg zu kommen gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  1. Der 1893 fertiggestellte Zick-Zack-Fußweg (Sikksakkveien), welchen Du über das Stadtzentrum vorbei am Musikpavillon erreichst
  2. Per Auto oder Bus über den asphaltierten Turistveien.

Wir wählen den ausgeschilderten Sikksakkveien und müssen feststellen, dass die Sonne an diesem Morgen noch nicht alle Schattenstellen erreicht hat. Der Schotterweg ist teilweise noch vereist und wir müssen aufpassen, dass wir nicht ausrutschen. Wie üblich ist auf den Wanderungen in Norwegen natürlich festes Schuhwerk* an unseren Füßen. Der Weg ist recht steil und glücklicherweise existieren einige Ausbuchten und Bänke, die Gelegenheit für einen kurzen Zwischenstopp oder ein Foto erlauben. Insgesamt benötigten wir rund 15 bis 20 Minuten hinauf zum Aussichtspunkt.

Der Sikksakkveien in Hammerfest (1893)
Der Sikksakkveien in Hammerfest (1893)
Einstiegspunkt zum Sikksakkveien
Einstiegspunkt zum Sikksakkveien
Der Sikksakkveien hinauf zum Aussichtspunkt in Hammerfest
Der Sikksakkveien hinauf zum Aussichtspunkt in Hammerfest
Der Sikksakkveien (Zick-Zack-Fußweg) zum Salen Aussichtspunkt in Hammerfest
Der Sikksakkveien (Zick-Zack-Fußweg) zum Salen Aussichtspunkt in Hammerfest

Auf der Hochebene angekommen offenbart sich der herrliche Blick über die Stadt und den Hafenbereich. Dabei entdecken wir die angebrachten Rentierzäune. Diese sollen verhindern, dass die Tiere in die Stadt kommen und Teile der Gärten verköstigen. Ebenso befinden sich hier oben ein Café (welches allerdings noch geschlossen hatte) sowie ein Steinturm. Auf den Steinturm kann man über eine Eisenleiter mit Fallschutz hinaufklettern. Wer sich hinauftraut, ist nochmal rund vier bis fünf Meter höher. Die Aussicht ist entsprechend noch etwas besser. Während unserer Erkundung trifft auch ein Reisebus auf dem Parkplatz ein. Die Touristen dürfen kurz aussteigen, in die Runde gucken und ein paar Fotos machen, bevor es wieder weitergeht. Hingegen sind wir zwar etwas geschafft vom steil hinaufgehenden Fußmarsch, aber dennoch glücklich, etwas mehr Zeit zur Verfügung zu haben.

Aussicht vom Salen auf die Stadt Hammerfest. Links im Bild: Die protestantische Kirche, inspiriert durch die typischen Trockengestelle der Fischer
Aussicht vom Salen auf die Stadt Hammerfest. Links im Bild: Die protestantische Kirche, inspiriert durch die typischen Trockengestelle der Fischer
Aussicht vom Salen (Sattel) in Hammerfest
Aussicht vom Salen (Sattel) in Hammerfest mit Blick auf die MS Polarlys
Auf dem Salen in Hammerfest
Auf dem Salen in Hammerfest

Kurze Zeit später steht der Rückweg an, weil der Aufenthalt in der Stadt nur zwei Stunden beträgt. Bevor wir wieder am Hurtigruten-Anleger ankommen, machen wir einen kurzen Zwischenstopp beim Musikpavillon. Diesen schenkte die Stadt Alta zum 200-jährigen Jubiläum Hammerfests im Jahr 1989. Der Pavillon soll die ursprüngliche Handwerkskunst und Architektur widerspiegeln. Form und Farben korrespondieren dabei mit dem Eismeerportal vor dem Rathaus.

Musikpavillon in Hammerfest
Musikpavillon in Hammerfest

Unten in der Stadt folgen wir den Spuren der Eisbärentatzen. Jene sind quer durch die Stadt verteilt und eine lustige Idee, wie wir finden. Einige der Tatzenspuren enden beim städtischen Rathaus und dessen Eingangsportal. Zwei Eisbären „bewachen“ das Portal. Einen weiteren kurzen Stopp legen wir im Eisbärclub The Royal And Ancient Polar Bear Society ein, laufen allerdings nur einmal kurz durch das Gebäude.

Die Tatzenspuren sind in Hammerfest überall zu finden
Die Tatzenspuren sind in Hammerfest überall zu finden
Eismeerportal mit zwei Eisbären vor dem Rathaus in Hammerfest
Eismeerportal mit zwei Eisbären vor dem Rathaus in Hammerfest

Man kann in dem Club (Isbjornklubben) für eine einmalige Gebühr von 220 NOK (ca. 25 €) Mitglied werden und das auch nur, wenn man persönlich vor Ort erscheint. Als Mitglied erhältst Du eine Urkunde, die Satzung sowie eine Postkarte, Aufkleber und einen silbernen Eisbärenanstecker.

Isbjornklubben (Eisbärclub) in Hammerfest
Isbjornklubben (Eisbärclub) in Hammerfest
Logo des Isbjornklubben (Eisbärclub) in Hammerfest
Logo des Isbjornklubben (Eisbärclub) in Hammerfest

Eine witzige Anekdote am Rande: Dem „King“ Elvis Presley soll die Mitgliedschaft verwehrt worden sein, weil er keine Lust hatte, vor Ort zu erscheinen. So lautet jedenfalls die überlieferte Geschichte. Obgleich wir die Auflage – vor Ort zu sein – erfüllt haben, sparen wir uns dennoch die Mitgliedschaft.

Den restlichen Tag verbringen wir auf See bei schönem Wetter. Bevor wir kurz vor Mitternacht Tromsø erreichen werden, gibt es noch zwei kleinere Stopps in Øksfjord und Skjervøy.

Tag auf See zwischen Hammerfest und Tromsø
Tag auf See zwischen Hammerfest und Tromsø
Tag auf See zwischen Hammerfest und Tromsø
Tag auf See zwischen Hammerfest und Tromsø
Tag auf See zwischen Hammerfest und Tromsø

Aus unseren vorigen Tagesberichten konntest Du es bereits schon entnehmen: Eine Reise mit den Hurtigruten ist nicht nur eine Expedition zu Norwegens wunderschönen Landschaften und Küsten, sondern auch eine kulinarische Schlemmertour. Und so werden wir auch an diesem Abend wieder mit einem leckeren Menü verwöhnt. Als Vorspeise wird ein Lachs-Pastrami mit eingelegten Gurken, Fenchel, Senfcreme und Dill serviert. Die Hauptspeise besteht am achten Tag aus Rindfleisch der Region Trøndelag mit Polarsalz aus der Kvarøy Saltsyderi, Estragon-Emulsion sowie Selleriecrème und Kartoffelkuchen. Abgerundet wird die Mahlzeit mit einer Creme aus Preiselbeeren und DUGA-Getreide. Letzteres wird von zwölf ausgewählten norwegischen Bauern angebaut, die hohe Ansprüche auf Standards im Bereich Umwelt, Anbau, Qualität und Tradition legen.

Gegen 23:45 Uhr erreichen wir schließlich Tromsø. Wir stehen an Deck, in der Hoffnung Nordlichter in der Stadt zum Eismeer erblicken zu können. Er ist ziemlich kalt und der Wind pfeift uns um die Nase. Zumindest bietet der hintere Teil auf Deck 7 etwas Windschutz. Außer uns ist wie so oft niemand an Deck. Hin und wieder verirrt sich der ein oder andere Raucher nach draußen, diese verschwinden aber recht schnell wieder ins Warme.

Ein Teil der Passagiere bereitet sich derweil auf einen abendlichen Landgang vor. Mit dem Bus wird es für diese zum Mitternachtskonzert in der Ishavskatedralen (Eismeerkathedrale). Derweil harren wir bei unserer Jagd nach Nordlichtern weiter draußen aus. An diesem Abend haben wir kein großes Glück, das Himmelsspektakel zu erleben, sodass recht zeitnah die Kojen rufen. Unsere Hoffnung schwindet langsam, überhaupt noch das Spektakel am nächtlichen Himmel in all seiner Pracht erleben zu dürfen…

Tag 9 – Trollfjord und eine Spur von Nordlichtern

Der neunte Tag auf der MS Polarlys verläuft größtenteils unspektakulär. Auf See zieht der Tag an uns vorbei wie die norwegische Küste vor unseren Augen. Eine kleine Besonderheit gibt es lediglich beim heutigen Dinner. Als Vesterålen-Menu werden die drei Gänge bereits mittags serviert, während der Abend im Zeichen eines Lofoten-Buffets stehen wird. Das Mittagsmenü besteht dabei aus einer Pilzsuppe zur Vorspeise, einem Hauptgericht von Pute mit Orangensauce und Süßkartoffeln. Als Dessert wird eine Pavlova gereicht.

Als wir an diesem Sonntagnachmittag in Stokmarknes ankommen, haben nicht nur alle Läden geschlossen. Nein, es regnet auch in Strömen und wir brechen den kurzen Landgang des einstündigen Aufenthaltes rasch wieder ab. Ein rascher Blick gilt während des regnerischen Spaziergang nur der ausgemusterten MS Finnmarken (1956 – 1999), die hier auf dem Trockenen liegt. In Stokmarknes befindet sich nämlich als Sehenswürdigkeit das Hurtigruten-Museum.

Der neunte Tage auf der MS Polarlys
Der neunte Tage auf der MS Polarlys
Der neunte Tage auf der MS Polarlys
Der neunte Tage auf der MS Polarlys
Der neunte Tage auf der MS Polarlys
Der neunte Tage auf der MS Polarlys
Der neunte Tage auf der MS Polarlys

Ein kleines Highlight wird am späten Nachmittag die Fahrt in den Trollfjord sein und wir hoffen, dass die Regenwolken nicht mit uns in den zwei Kilometer langer Seitenarm des Raftsunds ziehen werden. Im weiteren Verlauf des Nachmittags klart das Wetter auf. Zunächst sieht es also gut aus, als die Polarlys ein den schmalen Fjord gegen 17:15 Uhr einläuft. Doch das gute Wetter währt nicht lange, bevor es dann bei der Ausfahrt aus dem Fjord tatsächlich wieder zu regnen anfängt.

Interessante Lichter Im Trollfjord kurz bevor es wieder regnet
Interessante Lichter im Trollfjord, kurz bevor es wieder regnet
Blick in Trollfjord
Blick in Trollfjord
Blick in Trollfjord
Blick in Trollfjord

Eine gute Gelegenheit also, um kurz beim Lofoten-Buffet vorbeizuschauen. Wer aktuell auf strenger Diät ist, sollte sich wirklich nicht zum reichhaltigen Buffet der Hurtigruten verirren. Die Kochcrew fährt auch an diesem Buffet-Abend großes Repertoire auf. Die Qual der Wahl besteht etwa zwischen Karottensuppe mit Capra-Ziegenläse, Steak vom Lamm, einer Brandade mit gegrilltem Stockfisch von Halvors in Tromsø sowie Rahmreis mit roter Sauce. Auf unseren Tellern landet nur ein kleiner Snack, da wir vom Mittagessen noch gut gesättigt sind. Lieber begeben wir uns danach wieder an Deck, es muss doch endlich klappen mit den Nordlichtern!

Vor der erneuten Nordlichter-Jagd nutzen wir den zweistündigen Aufenthalt auf den Lofoten in Svolvær für einen kurzen Landgang. Unsere Trinken-Vorräte sind fast aufgebraucht und so suchen wir wie viele andere den einzigen Kaufmannsladen im Hafen auf. Dieser hat in Ermangelung umliegender Konkurrenz einen saftigen Aufschlag auf die üblichen Getränkepreise. Deshalb versorgen wir uns nur mit dem Nötigsten und beschließen, am nächstfolgenden Tag mehr einzukaufen.

Als wir an diesem Abend später wieder auf dem Schiff und auf See sind, scheint sich noch etwas Glück zu offenbaren! Gegen 22 Uhr können wir ganz, ganz schwache Farben am Himmel erkennen. Doch leider sind die Nordlichter so stark, als dass sie mit dem bloßen Auge gut zu erkennen wären, noch dass wir sie gut mit unserem Foto-Equipment einfangen können.

Wir versuchen zwar länger zu belichten, aber aufgrund des Seegangs bekommen wir auch keine wirklich scharfen Fotos hin. Und so haben wir jetzt zwar nur Fotos mit grünen Flecken, aber zumindest schöne Bilder im Kopf. Ach, hatten wir doch einmal auf so imposante Bilder auch in natura gehofft, wie wir sie bereits unzählige Male auf vielen Fotos gesehen hatten. Sehr schade – aber optimistisch betrachtet einfach ein weiterer Grund, um erneut ins Nordland zu kommen.

Tag 10 – Südgehende Polarkreisüberquerung und Abschiedsdinner

Der zehnte Tag auf der MS Polarlys markiert einen weiteren Meilenstein. Gegen 09:30 Uhr überquert das Schiff südgehend den Polarkreis bei 66° 33’. Während wir noch am Frühstückstisch sitzen, sehen wir durch das hintere Panoramafenster einen der Grenzsteine in Form eines Globus auf der kleinen Insel Vikingen.

Kurz darauf ertönt die Lautsprecherdurchsage, dass die südgehende Polarkreis-Zeremonie auf Deck 7 vollzogen werde. Da wir uns nach dem Frühstück sowieso wieder nach Draußen begeben, schauen wir uns das Tumult erstmal nur an. Dann entscheiden wir uns, zumindest an der südgehenden Zeremonie teilzunehmen: Anstatt Eiswürfel gibt es auf dem Weg nach Süden Lebertran. Auch dieses Mal hat die Crew wieder ihren Spaß. Manch „Mutiger“ bekommt nicht nur einen Löffel Lebertran, sondern gleich die ganze Falsche angesetzt. Auch wir müssen je drei Löffel Lebertran zu uns nehmen, bevor wir die begehrten Hurtigruten Löffel ausgehändigt bekommen.

Nach dem kleinen Vormittags-Spektakel passiert das Hurtigruten-Schiff gegen 14 Uhr die Helgelandküste und die sagenumwobene Bergkette der Sieben Schwestern (De Syv Søstre) zwischen Sandnessjøen und Brønnøysund. Um die Entstehung der Bergkette rankt sich, wie in Norwegen Tradition, eines der vielen Nordland-Märchen:

Der Legende nach hatte einst der Trollkönig Suliskongen sieben Töchter (die Namen der einzelnen Berge): Botnkrona (1.072 Meter), Grytfoten (1.066 Meter), Skjæringen (1.037 Meter), die Zwillinge Tvillingene (980 und 945 Meter) sowie Kvasstinden (1.010 Meter) und Stortinden (910 Meter). Doch obgleich der Trollkönig seine Töchter streng erzog, schlichen sie sich eines Nachts weg, um Abenteuer zu erleben. Ihr fröhliches Treiben beobachte Hestmannen, Sohn des Vågekallen-Trollkönigs, welcher unbedingt eine Frau finde wollte. Verfolgt vom Königssohn und anderen Trollen, welche die Töchter entweder retten oder fangen wollten, flohen sie entlang der Küste gen Süden. Doch keiner von Ihnen dachte an die Sonne, welche Trolle in Stein verwandelt. Und als dann nach dem nächtlichen Treiben der Morgen anbrach, erstarrten die Trollschwestern und ihre Verfolger zu Stein. So entstanden die Helgelandküste und die Bergkette der Sieben Schwestern.

Die Sieben Schwertern (De Syv Søstre) an der Helgelandküste
Die Sieben Schwertern (De Syv Søstre) an der Helgelandküste

Da das Wetter an diesem Tag gut ist, verbringen wir auch den restlichen Tag draußen an Deck. Weitere Stopps legt das Schiff in Brønnøysund und Rørvik ein. Brønnøysund gilt als ein besonderer Hafen auf der Route: Der Ort liegt genau in der Mitte der norwegischen Küstenlinie. Vom Ort an der Küstenstraße Fv17 sind es 840 Kilometer in nördlicher Richtung zum Nordkapp und genauso 840 Kilometer bis zum Kap Lindesnes im Süden Norwegens.

Blick auf Brønnøysund
Blick auf Brønnøysund
Hafeneinfahrt von Brønnøysund
Hafeneinfahrt von Brønnøysund

Da bei unserer Ankunft am kommenden Tag in Trondheim eine Vielzahl der Passagiere von Bord gehen werden, findet das traditionelle Abschiedsdinner am zehnten Tag statt. Anders als an den übrigen Abenden gibt es bei dieser Veranstaltung fünf anstelle von drei Gängen. Wer ergänzend das Getränkepaket (ca. 60 Euro pro Person) an diesem Abend gebucht hat, erhält zu jedem Gang verschiedene Getränke wie Aquavit, Weißbier aus der nördlichsten Brauerei der Welt (Tromsø) und verschiedene Weine. Alle Gäste werden beim Betreten des Restaurants vom Kapitän, seinen Offizieren und der Restaurantcrew persönlich begrüßt. Sie stehen Spalier und jeder Gast erhält zur Begrüßung wahlweise einen Sekt oder Orangensaft. Nachdem alle Gäste ihren Platz eingenommen haben, gibt’s auch eine kleine Ansprache des Käpt’ns, welcher sodann mit seinen Offizieren durch die Tischreihen geht und jedem mit einem Skoll zuprostet.

Danach beginnt das 125 Jahre Hurtigruten-Dinner mit der Menüfolge

  1. Trockenfleisch
  2. Erbsensuppe
  3. Kabeljau
  4. Käse
  5. Omelette Norvégienne

Auch wenn sich das Menü verglichen mit den vorigen Abenden zunächst sehr einfach liest, steckt in jedem Gang Tradition und ein Zeichen der Lokalität der insgesamt 34 Häfen von Bergen bis Kirkenes. Die sehr liebevoll gestalteten Karten geben Auskunft, was an diesem Abend Feines auf den Teller kommen wird.

Wir erhalten den ersten Gang: Frans Josef Samli aus Mydland in Tromsø und sechs Monate gereifte Fjellbris Schinken aus Tind in Stranda. Dazu gibt es Gewürzgurke und Kartoffelsalat aus Grøndalen Gård und arktischem Senf aus Beiarn. Wie bereits erwähnt, sollen die fünf Gänge die norwegische Tradition wiederspiegeln. Im Falle des geräucherten Fleisches (Spekemat) stellt dieses eine wichtig Grundlage der nationalen kulinarischen Traditionen dar. Serviert wird es ganzjährig in unzähligen Kombinationen.

Der zweite Gang besteht aus einer vegetarischen Erbensuppe. Diese wird gemeinsam mit einem Sauerteig-Brot von Baker Brun in Bergen serviert, welches mit einem fünf Jahren gereiften Jarlsberg-Käse gratiniert wurde. Auch dieses Gericht ist mit einer Tradition verbunden: Die im Jahre 1873 gegründete Norwegian Moss Seafarer Society legte einst fest, dass Erbsensuppe das Herzstück einer jeden Schiffsküche sei. Und so findet die Erbsensuppe ihren Platz auf das Jubiläumsmenü der Hurtigruten, welche diese fast 150 Jahre alte Tradition damit unterstreicht. Wer jetzt an Erbsensuppe aus der Konservendose denkt, wird sehr positiv überrascht. Auch diese zweite Vorspeise schmeckt wirklich sehr lecker.

Und während die beiden Vorspeisen noch unsere Gaumen erfreuen, serviert die Restaurantcrew schon den Hauptgang: Kabeljau von den Lofoten. Der Fisch spiegelt wie kein anderer die Tradition der Norweger wieder. Bereits die Wikinger nahmen den getrockneten Fisch auf ihren langen Reisen mit. Abgerundet wird das Gericht mit hellem Bier, Rote Bete Byggotte und Birkensalv von Judiths Urtehage in Kabelvåg.

Vor dem finalen Gang, wird im vierten Gang der Campion of Champions serviert. Ein sechs Monate gereifter Kraftkar-Läse von Tingvollost in Nordmøre, welcher bei den World Cheese Awards 2016 diese Auszeichnung erhielt. Begleitet wird der Gang von hausgemachter Karottenmarmelade und einem knusprigen Haselnussbrot.

Eigentlich schon satt, erhalten wir das süße Finale. Der letzte Gang besteht aus einem Biskuitkuchen mit Vanilleeiscreme aus Svolvær sowie Andvika Eierbaiser und arktischen Moltebeeren. Das Dessert bezieht sich auf das kalte Klima in Norwegen und ist ein Tribut an die große alte Dame der Hurtigruten-Flotte, der MS Lofoten. Während ihrer ersten Einsatzjahre in den 1960er-Jahren sorgte dieses Dessert für große Überraschung.

Was für ein Abendessen. Später als sonst endet dieses wirklich sehr delikate Dinner und wir begeben uns wieder für einen Verdauungsspaziergang auf Deck 7, welches auf dieser Reise zu unserem beliebten Stammplatz geworden ist.

Tag 11 – Letzter Tag  und Endstation für viele Passagiere in Trondheim

Am nächsten Morgen hat das Schiff bereits gegen 06:30 Uhr in Trondheim angelegt. Für einen Großteil der Gäste ist in Norwegens ehemaliger Hauptstadt Endstation: Sie gehen von Bord. Manche fahren mit dem Zug nach Oslo weiter, anderen fliegen direkt ab Trondheim zurück in die Heimat.

Wir verbleiben an Bord und verbringen den letzten Tag bis Bergen auf dem Schiff. Auf dem Plan stehen allerdings keine besonderen Aktivitäten oder Häfen mehr an. Auch das Wetter lässt an diesem letzten Tag zu wünschen übrig, es regnet fast nahezu durchgängig.

Im Nachhinein betrachtet hätten wir bereits in Trondheim von Bord gehen können. Verpasst hätten wir nichts. Der letzte Tag zieht an uns vorbei und endet mit dem abschließenden allabendlichen Dinner. Das letzte Dinner besteht aus einer norwegischen Hummersuppe mit Lauch, Karotten und Sellerie als Vorspeise. Zum Hauptgang wird Schweinshachse mit Ackerbohnen, Perlzwiebeln und Feigensauce serviert. Den krönenden Abschluss bildet ein Nyr-Käsekuchen mit Himbeersorbet aus Gangstad Gård.

Tag 12 – Ankunft in Bergen und Abschied

Der letzte Vormittag an Bord. Wir frühstücken morgens noch in aller Ruhe und packen danach unsere sieben Sachen. Bis 10 Uhr müssen alle Gäste die Kabinen verlassen, obwohl wir erst gegen 14 Uhr in Bergen ankommen werden. Üblicherweise kommen nach der Ankunft in Bergen schon bald wieder die neuen Gäste an Bord, sodass die Reinigungscrew zeitig mit dem Reinigen beginnen muss. Da die MS Polarlys nach unserer Reise aber planmäßig ins Trockendock zur Reparatur musste, hätte man uns auch ruhig noch etwas mehr Zeit geben können. So verbringen wir unsere restliche Zeit – wie könnte es anders sein – trotz regnerischen Wetters draußen auf Deck 7. Dank Überdachung sitzt man hier trotzdem trocken. Sämtliche Sitz- und Wartebereiche sind voll mit Passagieren, die Flure sind voll mit den Koffern. Trotz der vorigen Bitte der Crew, die Passagiere mögen ihr Gepäck bitte nicht vor die Feuerschutztüren stellen, darfst Du einmal raten, wo genau wohl Koffer standen:-)

Gegen Mittag taucht nochmal Curtis, der freundliche Angestellte aus dem Bordcafè auf, und verabschiedet sich sogar per Handschlag von uns und wünscht alles Gute. Sehr nett, wie wir finden und bedanken uns ebenfalls bei ihm. Gegen 14 Uhr laufen wir dann in Bergen ein, es geht von Bord. Während die anderen noch ihr Gepäck einsammeln müssen, können wir uns schon direkt auf den Weg zum Bus begeben.

Ein letzter Blick auf die MS Polarlys während wir von Bord gehen
Ein letzter Blick auf die MS Polarlys während wir von Bord gehen

Zum Abschied spielt uns Bergen noch einen kleinen Streich: War das Wetter sowohl bei der Ankunft als auch am vorigen Tag überwiegend durch Regen geprägt, so verabschiedet uns die Hafenstadt am Flughafen mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Toll, dass schöne Wetter hätten wir an den vorigen Tagen gebraucht, denken wir uns.

Mit vielen tollen Impressionen sitzen wir wenig später im Flugzeug nach Amsterdam, wo wir erneut einen zweistündigen Aufenthalt haben werden, bevor es weiter nach Düsseldorf geht. Wieder zurück in Deutschland holen wir gegen 22 Uhr den Mietwagen ab und fahren zum B&B Hotel in Ratingen*, wo wir übernachten. Das Hotel ist sehr sauber und gepflegt, die Zimmer sind geräumig. Geschafft fallen wir in unsere Betten. Erst am folgenden Morgen werden wir die Rückreise nach einem ausgiebigen Frühstück die Heimfahrt nach Ostwestfalen antreten. Im Gedanken werden wir noch immer auf dem Schiff sein, genau wie unser Gleichgewichtssinn. Nach fast zwei Wochen auf dem Schiff schaukeln wir auf festem Boden gefühlt immer noch etwas…

So geht es weiter

Das war sie, unsere Reise mit einem Hurtigruten-Schiff, der MS Polarlys. Würden wir die Reise erneut antreten? Können wir eine Fahrt mit den Hurtigruten empfehlen? Was hat und gefallen und was weniger?

Unser Fazit und die Antwort auf die oben genannten Fragen wollen wir Dir im abschließenden dritten Teil dieses Reiseberichts geben.

Bildnachweis: Banner Foto MS Polarlys von Rainer Jysch / Hurtigruten

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